Review:Virtuose Trompetenmusik – Werke von Schiedermayr, Fiala, Verdi u.a. Alte Meister in originalem Gewand

Virtuose Trompetenmusik – Werke von Schiedermayr, Fiala, Verdi u.a.

Alte Meister in originalem Gewand

Seltene Kompositionen für die Klappentrompete präsentiert die Kölner Akademie in originalem Gewand.

Die Historische Aufführungspraxis ist in der Mitte der musikalischen Gesellschaft angekommen, soviel kann, Jahrzehnte nach den ersten Versuchen einiger seltsam anmutender Außenseiter, gesagt werden. Es gibt kaum eine Neueinspielung Alter Musik, die sich nicht der besonderen Aufführungssituation der Entstehungszeit stellen würde – und eigentlich scheinen Neuentdeckungen kaum noch möglich angesichts der Allverfügbarkeit des historischen Materials. Nichtsdestotrotz überraschen einige Ensembles immer wieder mit Einblicken in ein weitestgehend unbekanntes Repertoire, so wie die Kölner Akademie in der Reihe ‚Forgotten Treasures – Musik auf historischen Instrumenten‘. Deren neueste Folge ist virtuoser Trompetenmusik aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert gewidmet und beschäftigt sich so mit einer Zeit, in der die Trompete – nach ihrer Blütezeit in der Barockmusik – beinah völlig ins musikalische Abseits gedrängt war.

Die Trompete der Barockzeit war ein reines Naturinstrument – diatonische oder gar chromatische Schritte waren so nur im hohen Register möglich. Dieses Manko wollte der Wiener Trompeter Anton Weidinger beseitigen und erfand so die Klappentrompete, für die Joseph Haydn sein berühmtes Trompetenkonzert schrieb. Eine große Verbreitung fand das Instrument jedoch nicht, und auch die chromatische Differenzierung der tiefen Oktave verhalf nicht zu einem reicheren Repertoire. Nur wenige Komponisten schienen von der ganz neuen und eigenen Klangfarbe dieses Instrumentes fasziniert – ein Großteil dieser Beispiele findet sich auf der neuen CD der Kölner Akademie mit dem Trompeter Robert Vanryne. Das Repertoire reicht dabei von Werken der Klassik wie der ‘Sinfonia Concertante’ Leopold Kozeluchs bis zu Raritäten der frühen Romantik, wie dem ‘Adagio’ für Trompete und Orchester des jungen Giuseppe Verdi.

Den Beginn der Einspielung macht das erst jüngst wieder gefundene Offertorium ‘Ave maris stella’ des Linzer Domorganisten Johann Baptist Schiedlmayr, das die lyrischen Qualitäten des Instrumentes besonders im tiefen Register wunderbar heraushebt. Die bereits erwähnte ‘Sinfonia concertante’ Leopold Kozeluchs stellt der Klappentrompete eine Mandoline, einen Kontrabass und ein Klavier als Soloinstrumente zur Seite und ist so ein seltenes Beispiel für kammermusikalische Arbeit in der frühen Blechbläserliteratur. Von Friedrich Dionys Weber und Conradin Kreutzer stammen Variationswerke, die besonders an die Virtuosität des Solisten appellieren. Ein Divertimento des Mozart-Zeitgenossen Joseph Fiala beschließt die interessante Auswahl.

Auch wenn die hier versammelten Kompositionen für sich allesamt von einigem Interesse sein mögen – vielleicht besonders das kaum bekannte ‘Adagio’ Giuseppe Verdis, das bereits den melodischen Einfallsreichtum des späteren Meisters vorwegnimmt – gefällt die Einspielung doch vor allem durch die selten zu hörenden Klangfarben der Klappentrompete. Seit der Einspielung der Trompetenkonzerte Haydns und Hummels durch Reinhold Friedrich vor einigen Jahren ist dieser Vorläufer der modernen Trompete doch etwas in Vergessenheit geraten. Robert Vanryne, der zum Teil auf selbst gebauten Instrumenten spielt, ist ein wahrer Kenner des Instrumentes und seiner Qualitäten, so dass ihm durchweg idiomatische und authentisch klingende Interpretationen gelungen sind. Die Kölner Akademie unter der Leitung von Michael Alexander Willens begleitet mit Verve und ohne Allüren. Nicht nur Spezialisten unter der Hörerschaft kann diese Aufnahme ans Herz gelegt werden, präsentiert sie doch einen nicht zu unterschätzenden Teil der Musikgeschichte in originalem Gewand.

Kritik von Paul Hübner, 12.10.2010